Olgakrippe Bad Cannstatt e.V.

Die Umsetzung des Orientierungsplanes durch das Instrument der Bildungs- und Lerngeschichten

In der Olgakrippe setzen wir den Baden Württembergischen Bildung- und Orientierungsplan mit dem Konzept der Bildungs- und Lerngeschichten um.

Die sogenannten „learning stories“ sind ein Instrument um Bildungsprozesse im Kindesalter zu erkennen und zu begleiten. Das Konzept orientiert sich an den vorhandenen Stärken eines Kindes und baut darauf auf. Grundlage dabei ist eine ressourcenorientierte Grundhaltung, in deren Mittelpunkt die individuellen Lernprozesse des Kindes stehen. Das Ziel dieses Konzeptes:

Kinder sollen als kompetente und selbstbewusste Lernende und Gesprächspartner aufwachsen, mit gesundem Verstand, Körper und Geist, mit sicherem Gefühl dafür, wohin sie gehören, und sicher im Wissen, dass sie einen hochgeschätzten Beitrag zur Gesellschaft leisten

Das ursprünglich neuseeländische Konzept „Te Whäriki“ (Margaret Carr) wurde vom Deutschen Jugendinstitut München an die Bedürfnisse und Gegebenheiten in Deutschland adaptiert und erprobt.
 

Die Kernpunkte des Verfahrens der Bildungs- und Lerngeschichten sind

● Die Beobachtung
● Die Auswertung
● Der kollegiale Austausch
● Die Lerngeschichte
● Die Dokumentation /Portfolio

 

Die Beobachtung

Eine Aktivität des Kindes wird als Handlungsverlauf wertfrei und detailliert dokumentiert. Dabei bilden immer mehrere Beobachtungen verschiedener Fachkräfte die Grundlage für eine Bildungs- und Lerngeschichte.

 

Die Auswertung

Diese Beobachtungen werden den fünf Lerndispositionen zugeordnet, die nach Margaret Carr die grundlegenden Voraussetzungen für Bildungs- und Lernprozesse sind.

   1. Interessiert sein
   Woran wird das Interesse des Kindes an seinem Tun erkannt?

   2. Engagiert sein
   Wie, woran wird das Engagement des Kindes  erkannt? (z.B. ist in sein Tun vertieft)

   3. Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten
   Wie verhält sich das Kind bei  Schwierigkeiten? (z.B. hält es Stand, gibt es schnell auf?)

   4. Sich ausdrücken und mitteilen
   Wie drückt das Kind seine Gefühle, Interessen, Wünsche… aus?

   5. An einer Lerngemeinschaft teilnehmen und Verantwortung übernehmen
   Wie verhält sich das Kind in der Gruppe, gegenüber anderen Kindern?

Als Metapher für die sichtbaren Lernbereiche wurden im neuseeländischen Curriculum die    
Spitzen von Eisbergen gewählt:


Nachdem die Beobachtungen den fünf Lerndispositionen zugeordnet wurden, wird analysiert mit was sich das Kind gerade individuell beschäftigt, um welches Lernen es ihm im Moment geht.

Diese Analyse und Zuordnung geschieht auf der Grundlage der sechs Bildungs- und Entwicklungsfelder des Bildungs- und Orientierungsplans Baden Württemberg:

   1. Körper
   2. Sinne
   3. Sprache
   4. Denken
   5. Gefühl und Mitgefühl
   6. Sinn, Werte und Religion

 

Der kollegiale Austausch

Die pädagogischen Fachkräfte tauschen sich über ihre Beobachtungen und Analysen aus. Hierbei werden die Perspektiven der Fachkräfte zusammengetragen. Was ist bemerkenswert, gibt es Ideen für weitere Schritte, gibt es Anknüpfungspunkte zu Interessen anderer Kinder,….?

Diese verschiedenen Blickwinkel eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten bei der weiteren Entwicklungsbegleitung des Kindes.

 

Die Lerngeschichte

Die Lerngeschichte wird für das Kind verständlich, wertschätzend und nachvollziehbar formuliert. Die Geschichte erzählt dem Kind, was es bereits kann, wofür es sich interessiert, wie und mit wem es zusammen lernt und welche Strategien es dabei verwendet. Die Lerngeschichte wird dem Kind in ruhiger Atmosphäre vorgelesen. Daraus ergibt sich oftmals ein Gespräch über das Lernen des Kindes, manchmal entwickelt sich in diesem Dialog auch eine Idee für ein neues Projekt. Für jedes Olgakrippen-Kind wird innerhalb eines Kindergartenjahres mindestens eine Lerngeschichte geschrieben.

 

Die Dokumentation /Portfolio

Die Lernerfahrung des Kindes wird anhand einer Lerngeschichte dokumentiert und im Portfolio (Ich- Ordner) des Kindes aufbewahrt. Jedes Kind in der Olgakrippe hat seinen eigenen Portfolio- Ordner.  Das Portfolio beinhaltet die Entwicklungsdokumentation des einzelnen Kindes. Es enthält außer den Lerngeschichten, eigene Werke des Kindes, Fotos von bedeutsamen Ereignissen. Auch die Eltern sind herzlich dazu eingeladen sich an der Gestaltung des Portfolios ihres Kindes zu beteiligen. Das Portfolio ist für das Kind jederzeit frei zugänglich. Es gehört dem Kind und wird ihm beim Verlassen der Olgakrippe mitgegeben.

 

Besonderheiten und Erfahrungen mit den Bildungs- und Lerngeschichten

Die Bildungs- und Lerngeschichten sind ein offenes (also kein standardisiertes) Beobachtungsverfahren, das einen systematischen Blick in die individuellen Lernschritte des Kindes ermöglicht. Die Lerngeschichte würdigt die Fähigkeit des Kindes sich die Welt auf seine Art anzueignen, sich ein Bild von seiner Welt zu machen und Zusammenhänge zu verstehen. Die Entwicklung eines positiven Weltbildes und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (ich kann etwas!) werden unterstützt.

Der Blick auf das einzelne Kind verändert sich. Die Kinder werden im Tagesablauf intensiver wahrgenommen. Das einzelne Kind erfährt  mehr (Be-) Achtung. Die pädagogischen Fachkräfte greifen nicht mehr so schnell in Bildungs- und Lernprozesse der Kinder ein, sie geben den Kindern mehr Raum, Zeit und Mittel für eigenes Tun. Die Orientierung an den Fähigkeiten und Stärken des Kindes ermöglicht, dass das Kind auch schwierigen Themen selbstbewusst begegnen kann.